erg chigaga
switzerland france spain marokko
marokko 2026 - reisebericht (fotos)
der toyota durfte in den sandkasten. es ging nach marokko und ein ausflug in die größte wüste der welt war eines der highlights auf dieser reise. die sahara besteht aus neun millionen quadratkilometer fels, geröll, stein, kies und sand, das wollten wir uns anschauen. nach europa und den usa war afrika der dritte kontinent, an den wir uns mit dem reisen über land herantasteten. vor dem sandspiel war eine weite anreise. insgesamt war der land cruiser 7.336 kilometer unterwegs auf dieser reise, 80 davon auf der fähre. der unfehlbare gps-tracker, der uns nachts schlafen lässt und zuverlässig alarm gibt, wenn jemand sich am auto zu schaffen macht, hatte es genau gemessen.

osterferien waren früh heuer, vom 28.3. bis 12.4., wir fuhren also zur laut reiseführer besten reisezeit im frühjahr, wenn die temperaturen noch gut auszuhalten und die vegetation hübsch anzuschauen ist. ich startete mit kim und lucie schon ein paar tage vorher los, annette stieß in málaga per flugzeug dazu. von dort ging es über die straße von gibraltar mit der fähre nach marokko.

die kürzeste verbindung geht ab tarifa, dem südlichsten punkt der iberischen halbinsel zum hafen im stadtzentrum von tanger. wir nahmen die fähre von algeciras nach tanger med. ungefähr eineinhalb stunden dauerte die überfahrt. die kürzere verbindung geht etwas schneller, allerdings erfolgen dann die einreiseformalitäten an land, bei der verbindung nach tanger med passiert das schon an bord, das spart zeit und unter dem strich nimmt es sich vermutlich nicht viel.

eigentlich wollten wir jetzt schon zu fünft unterwegs sein, aber maya war noch abgängig. vollständig war unsere reisegruppe erst ab tag fünf, als wir maya am flughafen in rabat abholten.

in marokko gibt es eine spezielle zeitzone, die ramadan-zeit. während des ramadans werden die uhren eine stunde zurück gedreht. in der fastenzeit soll man tagsüber, also bis sonnenuntergang, fasten. mit der ramadan-zeit verkürzt man das fasten, weil es abends früher dunkel wird, sehr smart. uns betraf das nicht, ramadan war dieses jahr von 18.02. bis 19.03., direkt im anschluss begann das dreitägige fest des fastenbrechens eid al-fitr, in deutschland bekannt als zuckerfest. wir kamen erst eine woche danach an.

die route war wieder mit google geplant, google kann es halt am besten. allerdings kann google (noch) kein offroad, diese passagen basierten auf tracks von pistenkuh und wikiloc.com. zum bearbeiten der tracks verwendete ich gpx studio, zur navigation kam osmand zum einsatz. den wikiloc-track fuhren wir am ende nicht, aber der track von pistenkuh zusammen mit der osmand-navigation halfen uns sehr zum wüstencamp zu finden. das kartenmaterial für marokko hatte ich zuvor in die osmand-app geladen, um offline navigieren zu können.



die rundreise marokko aus dem discounter beinhaltet agadir, marrakesch, casablanca, rabat, meknes, fès und ifrane. sz leserreisen bietet wohnen in stilvollen riads an mit den hotspots königsstädte, der atlas, medina von marrakesch und fès el-bali, kasbah ait benhaddou und rabat sowie ein wüstencamp bei merzouga. chatgpt macht für eine abwechslungsreiche zehntägige rundreise durch marokko, die kultur, badeurlaub und wüste kombiniert folgende vorschläge:
١ ankunft in marrakesch
  • ankunft in marrakesch und transfer zum hotel/riad.
  • erste erkundung der stadt: djemaa el fna (marktplatz), koutoubia-moschee, souks.
  • abendessen in einem traditionellen restaurant mit marokkanischer küche.
٢ marrakesch – stadtbesichtigung
  • besichtigung des bahia-palasts, der saadier-gräber und des jardin majorelle.
  • nachmittags freizeit für eigene entdeckungen oder hammam-besuch.
  • sonnenuntergang auf einer dachterrasse am djemaa el fna.
٣ marrakesch → aït-ben-haddou → ouarzazate
  • fahrt über das atlasgebirge (tizi n’tichka pass) nach aït-ben-haddou (unesco-weltkulturerbe).
  • weiterfahrt nach ouarzazate, besichtigung der kasbah taourirt und evtl. der atlas film studios.
  • übernachtung in ouarzazate.
٤ ouarzazate → dades-tal → merzouga (sahara-wüste)
  • fahrt durch das dades- und todra-tal mit stopps für fotos und kleine wanderungen.
  • ankunft in merzouga, umstieg auf kamele für einen ritt in die wüste.
  • übernachtung in einem wüstencamp unter dem sternenhimmel.
٥ merzouga → rissani → erfoud → midelt
  • sonnenaufgang in der wüste und rückkehr nach merzouga per kamel.
  • besuch des marktes in rissani und weiterfahrt nach erfoud (fossilienstadt).
  • fahrt über den mittleren atlas nach midelt, übernachtung.
٦ midelt → ifrane → fès
  • fahrt durch die zedernwälder des mittleren atlas mit stopp in ifrane („die schweiz marokkos“).
  • ankunft in fès und erste erkundung der medina.
٧ fès – kultur & geschichte
  • ganztägige stadtbesichtigung: al-qarawiyyin-moschee, gerbereien, königspalast, bou inania-medersa.
  • abends möglichkeit für ein traditionelles marokkanisches abendessen mit musik.
٨ fès → rabat → casablanca
  • fahrt nach rabat: besichtigung des hassan-turms, kasbah des oudaias.
  • weiterfahrt nach casablanca: besuch der hassan-II-moschee.
  • übernachtung in casablanca oder weiter an die küste nach el jadida.
٩ badeurlaub in essaouira oder agadir
  • entspannung am strand in essaouira (historische altstadt, fischmärkte, surfen) oder agadir (moderner badeort).

ganz genauso machten wir es nicht, aber es waren inspirationen für unsere eigene route. außer chatgpt wirkte googles gemini mit. auch wenn wir nicht alles gesehen hatten, bekamen wir einen eindruck von der kultur und den verschiedenen regionen dieses fantastischen urlaubslandes.

empfehlung vom wolfgang: riad sabah. die betreiber, hans und sabah, schauten auch über unsere route. den vorschlag von chatgpt bewertete hans als "japanisch" und quasi kaum machbar, wenn man nicht die nächte durchfahren wollte. wollten wir nicht. wie schon bei unseren anderen reisen folgte die route einem design-to-time ansatz, weniger stationen und die dafür stressfrei. vielleicht kommen wir einfach nochmal und konzentrieren uns dann auf das ausgelassene. casablanca und ein dinner in rick's cafe waren diesmal nicht dabei, auch merzouga stand auf der streichliste, ebenso fès, essauoira und agadir. drei nächte blieben wir bei hans und sabah in ihrem riad johenna.

reiseliteratur: neben dem toyota owner's manual und der marokko-ausgabe des tourenbuchs für 4x4 reisen von sabine und burkhard koch, in der overlander-szene bekannt als pistenkuh, sollten senecas briefe an lucilius mitfahren, die schon auf kea dabei waren. leider vergaß ich das buch im aufbruchsstress, der diesmal etwas mehr war als sonst. na ja, nicht so schlimm.

visa brauchten wir keine, allerdings gültige reisepässe. ein internationaler führerschein war nicht erforderlich, aber der, den ich für unsere georgien-reise beantragt hatte, hätte ohnehin noch gegolten.

für penny und tiger war wieder gut gesorgt. vielleicht gewöhnen sie sich noch daran, dass wir immer mal wieder unterwegs sind. am ende mussten wir die betreuung wegen der frechheit von lufthansa noch einen tag ausdehnen, vielen dank an easy und tony!

mobilfunk war ein thema, wir setzten wieder auf die bewährte esim von airalo. eine sim läßt sich auch vor ort im hafen kaufen, das ist meistens billiger, aber halt nicht so bequem.

echte abenteurer dächten auch an ein satellitentelefon. wir waren versucht uns auf aktuelle iphone-modelle zu verlassen, die jetzt auch über eine satelliten-notruf-funktion verfügen. aber so einfach war es dann doch nicht. der satelliten-notruf des iphones funktioniert nur in bestimmten ländern, marokko gehört derzeit nicht dazu. selbst wenn man bereit wäre in ein teures satelliten-telefon zu investieren, die legale nutzung in marokko ist nicht klar und daher ließen wir es bleiben.


auf geht's!


tag 1 - 819 km
irgendwo in frankreich.

wir starteten zu dritt ohne annette und maya aber mit ein paar stunden verspätung, der aufbruch war ein bisserl stressig diesmal.

annette musste heute noch in die schule. maya war kurzfristig unpässlich und nicht reisefähig. sie wollten beide am sonntag mit dem flieger nachkommen. das fliegen sollte uns auf dieser reise noch ärgern.

auf dem hinweg wollten wir so schnell wie möglich nach málaga kommen, wo wir annette trafen. die ersten etappen waren weit, es waren grenzen zu passieren, aber nur innerhalb des schengen-raums, keine wartezeiten. auf dem weg nach frankreich durchquerten wir die schweiz, da mussten wir dran denken, mobile daten auszuschalten. bis auf eine verzögerung in der schweiz kamen wir gut durch. der hänger eines sattelschleppers, auf dem eine schwere baumaschine stand, war umgekippt. spektakulärer anblick für ein paar sekunden beim vorbeifahren, nachdem wir vorher eine stunde im stau gestanden hatten.

wir verbrachten die erste nacht im campanile chanas südlich von lyon, ein sehr einfaches aber blitzsauberes und besonders freundliches motel erwartete uns. die dame an der rezeption war so lieb uns das gebuchte zimmer für maya nicht zu berechnen.

abendessen aus dem supermarkt. es war eiskalt und windig, wir waren noch nicht im süden. der sprit kostete in frankreich an der autobahn etwas unter zwei euro, abseits um die einssiebzig. in deutschland tankten wir noch für zweinullsieben voll. die spritpreise sind hoch, weil donald trump einen krieg mit dem iran vom zaun gebrochen hat. der iran blockiert seither die straße von hormus und damit einen großteil der weltweiten öllieferungen. der alte mann stürzt die welt ins chaos und wir gehen auf reisen.


tag 2 - 855 km
irgendwo in spanien.

zweite station im silken turcosa 3 sup zwischen barcelona und valencia. hier war es schon etwas wärmer, sechzehn grad, windig, nein stürmisch.


tag 3 - 699+19 km
spanien, málaga.

erster osterferiensonntag.

sierra nevada
die fahrt ging über berge und wir sahen die schneebedeckten gipfel der sierra nevada. der wind blies heftig, der toyota fuhr mit cruise control stoisch dahin und genehmigte sich neunzehn liter. der dachträger und sturmböen auf bergpassagen vertrugen sich nicht. zum glück war das benzin in spanien billiger, einsfünfundsechzig für den liter gasolina sin plomo 95.

nachmittags trafen wir annette am flughafen in málaga wie geplant. maya war leider nicht da. sie buchte kurzfristig, der lufthansa-flug von annette war schon voll und ihr flug mit norwegian airlines wurde annuliert, ebenso die ersatzverbindung. wir waren noch nicht komplett, maya war vom flughafen in münchen wieder zurück nach landshut gefahren.

malaga streunen
unser quartier vive costa azul war nicht weit weg vom flughafen in einer gegend, die an die hollywood hills erinnerte, sehr hügelig, verwinkelte straßen und sehr exklusive domizile in maurischer architektur. die katzen hier trugen halsband, waren eleganter rasse und so arrogant wie es sich für ein tier aus besserem hause schickte.

parken auf dem park-and-ride parkplatz gegenüber des hotels. abends getrennt essen, die alten traditionell spanisch, die jungen suchten vegane abenteuer.


tag 4 - 121+339 km
marokko, skhirat.
heute überfahrt mit der fähre von algeciras nach tanger med über die straße von gibraltar.

bevor es losging schickte kim ihre bachelorarbeit ab, ein wichtiger meilenstein hin zum unbeschwerten urlaub.

fähre algeciras
am hafen suchten wir ein bisschen nach dem ticketschalter, den von gaby empfohlenen carlos fanden wir aber nicht. abfahrt der fähre sollte um viertel nach zwölf sein, wir kauften um zwölf das ticket, auf dem abfahrt um elf stand. wir beeilten uns und waren rechtzeitig da, um eine gute stunde auf das boarding zu warten. tatsächliche abfahrt dann nach zwei. mit den uhrzeiten nahmen sie es nicht so genau.

einreiseformalitäten konnten wir an board erledigen, nur die zollkontrolle erfolgte nach dem ausschiffen. ein blick in den kofferraum und die kühlbox, "some beer" wurde zufrieden bemerkt, keine drohnen, dann durften wir weiterfahren. zunächst ging es richtung rabat, vorher besorgten wir noch etwas bargeld und eine versicherung für den toyota.

geld abheben mit den hvb kreditkarten war wieder eine herausforderung. wir erinnerten uns an georgien, für das in den sicherheitseinstellungen der kreditkarte "russland+gus" erlaubt sein musste. in marokko musste "afrika" freigeschalten sein, damit die karte funktionierte. zehn marokkanische dirham entsprachen gut neunzig euro-cent, der einfachheit halber rechneten wir eins zu zehn. bargeld war wichtig, karten wurden oft nicht akzeptiert, selbst manche tankstellen bestanden auf cash.

wir blieben zwei tage in der villa zhor in skhirat eine halbe autostunde südlich von rabat, der hauptstadt marokkos. rabat ist neben fès, meknès und marrakesch eine der vier königsstädte marokkos.

nach der ankunft waren wir kurz im ort um abendessen einzukaufen, sehr sehr quirlig da. annette war mit den mädels in kleinen lebensmittelgeschäften unterwegs und testete das mit duolingo aufgefrischte französisch, ich blieb in der nähe des toyotas, german angst traute dem parkplatz nicht, und probierte an einem der vielen marktstände streetfood, etwas hühnerfleisch mit zwiebeln und gewürzen in einem brot, eine art mini-döner, durchaus fein. mein französisch reichte, um den preis zu verstehen, dix dirham, knapp ein euro. bei den metzgern hing das fleisch an haken vor dem geschäft, ganze ziegen hingen da am gehweg.

nach dem langen tag und dem bisher stets freundlichen kontakt mit den locals waren wir müde, kurzes abendessen mit vielen eiern, annette hatte etwas mehr bekommen als gedacht, aber das machte nichts, wir hatten hunger.


tag 5 - 0 km
marokko, skhirat.
ein tag fahrpause nach der langen anreise, fast dreitausend kilometer waren wir unterwegs bis gestern.

villa zhor
die villa übertraf unsere erwartungen, sehr geräumig, sehr ruhig gelegen, der toyota parkte direkt vor der tür. unser host ist vor über zwanzig jahren nach holland ausgewandert und nutzt das haus nur gelegentlich selbst, sonst vermietet er es oder überlässt es freunden und kunden. sein bruder wohnt in der nähe und kümmert sich darum, wenn er selbst nicht hier ist. die letzten wochen hatte es viel geregnet, es hatte einige mühe gekostet, den pool für uns in betrieb zu nehmen.

für baden im pool war es noch zu kalt, obwohl es tagsüber schon mehr als zwanzig grad hatte und in der sonne gescheit heiß wurde. die glatte wasseroberfläche perfektionierte das ambiente des liebevoll gestalteten gartens. zu kalt zum baden war es auch für den atlantik, der nur einen spaziergang entfernt war.

im haus konnten wir wäsche waschen, die war bei sonne und wind auf der dachterrasse schnell trocken. lucie und ich unternahmen einen ausflug in einen carrefour supermarkt in der nähe mit großem parkplatz davor, weniger stress für europäische nerven als der markt gestern. neben marokkanischem warenangebot gab es auch europäische produkte, zum beispiel vegane leckereien und spanisches bier. die bierreserven in der kühlbox verlangten nach planung, es gab oft im umkreis von zig kilometern keinen alkohol zu kaufen.

am späten nachmittag konnten wir dann endlich unsere reisegruppe verkomplettieren. annette und ich holten maya vom flughafen in rabat ab, lucie und kim bereiteten derweil ein galadinner. wir feierten die abgeschickte bachelor-arbeit und die nachgekommene maya.


tag 6 - 299 km
marokko, marrakesch.
heute fuhren wir nach marrakesch. der verbrauch des toyota hatte sich wieder bei fünfzehn litern normalisiert, spritpreis in marokko knapp einsfünfzig, auch hier waren die spritpreise gestiegen. der verkehr hier ist ruhig, in den städten gibt es viele polizeikontrollen, die uns aber immer durchwinkten. in rabat steht praktisch an jedem kreisverkehr die polizei und derer haben sie reichlich.

drei tage blieben wir im riad johenna. unser gastgeber hans ist ein schulkamerad eines kollegen, er ist in unterhaching und im oberland groß geworden, hat eigentlich lehramt studiert und betreibt jetzt mit seiner marokkanischen frau riads in marrakesch sowie eine baufirma, oliven und gemüse baut der tausendsassa auch an.

riad johenna vor der haustür
das riad zu finden war unsere erste herausforderung und wir zahlten leergeld in dirham. unser navi lotse uns direkt in die medina, irgendwann ging es mit dem toyota nicht mehr weiter. ein junger mann fuhr mit dem moped voraus und zeigte uns den weg zu einem parkplatz in der nähe, wo der toyota bewacht drei tage stehen konnte. er transportierte dann mit einem handkarren unser gepäck zum riad. wir waren eine gute viertel stunde zu fuss durch das gewurl der medina unterwegs, bis wir zu unserer unterkunft gelangten und waren froh, dass wir das gepäck nicht schleppen mussten durch das gedränge in den engen gassen. wir gaben dem jungen hundert dirham trinkgeld, ein anderer, der mitgelaufen war, verlangte auch trinkgeld, wir gaben auch ihm etwas. dem dritten, der dann auch geld wollte, gaben wir nichts mehr, obwohl er hartnäckig darauf bestand. hans vertrieb ihn auf französisch. auch in marrakesch waren die menschen freundlich zu uns, aber hier erwarteten sie bakschisch für ihre hilfsbereitschaft. wir machten unsere erfahrungen und lernten daraus.

im riad tranken wir erstmal minztee mit hans und verarbeiteten die ereignisse und bekamen eine einführung in das große theater, das in der medina zum geschäft gehört und immer zur aufführung kommt, wenn man verhandelt, feilscht oder sonstwie uneinig ist.

nach dem tee ließen wir uns in der medina treiben und waren essen. die sonne schien und es war jetzt heiß. unser riad war nicht weit vom platz djemaa el fna, dem platz der geköpften und historischem zentrum der vor über neunhunderfünfzig jahren gegründeten stadt. hier wurden einstmals verbrecher hingerichtet. heute gibt es schlangenbeschwörer, musikanten und henna-tattoos nicht nur für touristen, auch die einheimischen finden hier seit jahrhunderten eine abwechslung vom alltag.


tag 7 - 0 km
marokko, marrakesch.
in unserem riad ließ es sich gut aushalten. in der früh war es noch frisch, da warfen wir im erdgeschoss einen gasofen an. um acht kam die schwägerin vom hans und machte frühstück. hans schaute auch vorbei, wir unterhielten uns gut unter anderem über schwabing, den monaco franze und die münchner g'schichten, strichachter mercedes und wie die w123er aus marrakesch verschwanden.

hans tauschte die gasflasche für die bäder der mädels, damit sie warmes wasser hatten zum duschen. wir hatten unser zimmer im erdgeschoss, wo auch die küche war, die mädels hatten den ersten stock für sich, im zweiten stock befand sich die dachterrasse. wir hatten das ganze riad für uns, das war recht entspannt.

marrakesch medina
später am vormittag teilten wir uns auf zum shopping und streunten durch medina und stadt, die koutoubia-moschee half bei der orientierung. nachmittags ausgiebige siesta im riad. obwohl mitten in der medina gelegen, war es im haus und auf der dachterrasse angenehm ruhig. abends nochmal in der medina verloren gehen.


tag 8 - 0 km
marokko, marrakesch.
karfreitag. streulaxen, die mädels streunten in der stadt, die alten relaxten auf der dachterrasse. dazwischen chillen, lesen und vorbereitung auf die wüste. vor der abfahrt daheim in poing war es etwas stressig, daher waren die tracks für unsere offroad-passagen von pistenkuh und wiciloc noch nicht in die osmand-app geladen. das konnte ich heute in aller ruhe nachholen, damit wir abseits von google maps offline navigieren konnten.

wir nutzten die vorerst letzte gelegenheit zum wäsche waschen und brachten einen teil unseres gepäcks zum toyota, damit wir morgen nicht zweimal laufen mussten. es war eine viertelstunde fussweg raus aus der medina zum parkplatz. nachdem wir gleich bei der ankunft abgezogen worden waren von den fuhrunternehmern mit ihren handkarren, die hier allgegenwärtig sind, holten wir das zuviel bezahlte bakschisch durch eigene körperliche arbeit wieder rein und taten gleichzeitig etwas für unsere fitness.


tag 9 - 341 km
marokko, foum zguid.

es ging in die berge richtung wüste. wir trugen unser restliches gepäck zum land cruiser und lösten ihn mit dem zettel aus, den wir beim parken bekommen hatten. der parkwächter, der vier tage wie ein schießhund auf unser auto aufgepasst hatte, wann immer wir kamen um etwas aus dem auto zu holen oder zu bringen war er da, winkte uns aus der parklücke, verschmierte uns noch ein bisserl die scheiben mit einem staubigen lumpen und beschwerte sich über das zu geringe trinkgeld (stichwort: theater), darauf nicht einzugehen hatten wir inzwischen gelernt.

hans sagte merzouga und erg chebbi sei zu weit und empfahl erg chigaga und zagora. chatgpt gab ihm recht bei der auswahl, erg chebbi sei fotogener, erg chigaga mehr offroad-abenteuer, einsamkeit und expeditionserlebnis. deshalb waren wir hier. nach dem trubel in marrakesch freuten wir uns auf die natur (und hatten keine ahnung, was die sich für uns einfallen lassen würde).

bevor wir die sahara erreichten überquerten wir das atlasgebirge, dessen weiße gipfel wir schon von marrakesch aus gesehen hatten. das atlasgebirge ist ein hochgebirge, welches sich über zweitausenddreihundert kilometer durch den maghreb erstreckt und nordafrika klimatisch von der sahara trennt. es besteht aus vier hauptketten: hoher atlas (höchster gipfel: toubkal, 4.167 m), mittlerer atlas, antiatlas und das rif-gebirge.

atlas atlas
heute stand der hohe atlas auf dem programm. wir fuhren über den tizi n’tichka-pass auf 2.260 m und pausierten später bei der kasbah aït ben haddou, einem unesco weltkulturerbe und touristenmagnet, nicht zuletzt wegen zahlreicher hollywood filmproduktionen, die hier gedreht wurden, zum beispiel die mumie, gladiator und game of thrones.

eine kasbah ist eine burg- oder festungsanlage. ein ksar ist ein befestigtes dorf für viele familien. aït ist bei den berbern ein namenszusatz, der "leute von" bedeutet. er weist auf den stammesnamen hin, der sich von einem männlichen vorfahren ableitet. foum bedeutet im arabischen "mund" oder "mündung" als geografische bezeichnung für einen durchlass, eine schlucht oder ein tor in einer gebirgskette.
atlas atlas
übernachtung in foum zguid in der auberge l'oasis. zum abendessen gab es wieder tajine in einem der wenigen restaurants im ort. es wurde frisch für uns zubereitet und wir mussten eine stunde warten. wir vertrieben uns die zeit mit uno spielen.

am nächsten morgen ging es über piste weiter ins wüstencamp. vorher besichtigten wir das ksar foum zguid. die fundamente der historischen altstadt von foum zguid reichen bis ins frühe dreizehnte jahrhundert zurück. das war ein tipp unseres gastgebers in der auberge l'oasis, die selbst in einer ehemaligen medressa (koranschule) untergebracht ist, die im traditionellen lehmbaustil errichtet wurde und direkt am rand der alten oasenstadt liegt.


tag 10 - 95 km
marokko, erg chigaga.
mit gebotenem respekt ging es heute in die wüste. wir folgten einem offroad-track von pistenkuh von foum zguid nach m’hamid el ghizlane durch die erg chegaga.

erg chegaga (auch erg chigaga) ist die größte und ursprünglichste sandwüste marokkos, gelegen nahe der algerischen grenze. während man erg chebbi über asphaltierte straßen bis an den dünenrand bei merzouga erreichen kann, erfordert erg chegaga eine offroad-anfahrt durch steinwüste und sand. das arabische wort erg bedeutet dünenfeld.

auf halber strecke pausierten wir im chegaga berber camps und blieben zwei nächte in der wüste.

sahara sahara
sahara sahara malheur
atmane mit seinem mitsubishi im berber cafe zum minztee
vorher erlebten wir auf dieser fahrt alles, was wir in youtube-videos gesehen, büchern gelesen oder von anderen marokko-reisenden erzählt bekommen hatten.

es hatte geregnet einige tage zuvor. die pisten verändern sich mit regen und wind, wir konnten nicht genau dem track folgen, sondern folgten spuren und schauten, dass die richtung passt. als referenz zum gespeicherten track hatten wir die route, welche die osmand-app vorschlug. das funktionierte gut, auch wenn wir uns selten genau auf einer der beiden linien im navi befanden.

aufgrund des regens waren einige stellen aufgeweicht und zielsicher fanden wir eine dieser stellen, bei denen das fahrzeug plötzlich mit allen vier rädern einsinkt und praktisch bis zum bodenblech im schlamm steckt, einer art lehm, schwer, klebrig und sehr mühsam freizuschaufeln. von der sonne getrocknet wurde das material schnell steinhart.

wir probierten also die nagelneue fiskars schaufel aus dem obi und die maxtrax kunststoff sandbleche, die schon in georgien dabei waren, bisher aber noch nicht gebraucht wurden. wir werkelten eine weile in der wüstensonne, bis annette einen pickup in der nähe ausmachte und ihn heranwinkte.
wir lernten atmane kennen. an seinem mitsubishi l200 probierten wir unser noch original verpacktes bergeseil von horn tools. atmane und sein pickup arbeiteten hart und nach mehreren anläufen war unser toyota aus dem schlammloch befreit. wir bezahlten im tausend dirham, umgerechnet etwa hundert euro, worüber er sich freute. verlangt hatte er nichts dafür, dass er unseren toyota ausgrub und rauszog.

im berber cafe zum minztee
atmane lud uns zu sich zum tee ein. wir fuhren in die etwa eineinhalb kilometer entfernte l'auberge sahara iriki mitten in der wüste, eine gruppe italiener auf enduros war auch da. der tee war eine einladung, wir mussten nichts bezahlen und es wurde uns nichts zum kauf angeboten. zum abschluss gab es ein nettes gruppenfoto, die mädels bewerteten die herberge auf instagram und bekamen eine nette antwort zurück. das war ihnen auch mit dem restaurant in foum zguid passiert. sozial media kann tatsächlich soziale kontakte herstellen, nicht nur mit süchtig machenden algorithmen menschen verführen und verschwörungstheorien verbreiten.

wir schafften es zum wüstencamp, allerdings war es das falsche, ein paar hundert meter luftlinie von dem unseren entfernt, das aber hinter den dünen versteckt lag. drei junge männer, die dort gerade am aufbau arbeiteten fuhren auf den trittblechen des toyota ein stück mit bis zu einem wegweiser, der zum richtigen camp zeigte. wir wollten ihnen etwas geld geben, aber sie nahmen es nicht, wir bedanken uns, die jungs liefen zu fuss zu ihrem camp zurück und wir kamen endlich an.

kaltes bierchen aus der kühlbox, zigarrchen, wir waren vielleicht noch nie so froh angekommen zu sein. bald gab es tee, wir saßen im schatten, unterhielten uns mit daniela, einer ehemaligen it-projektleiterin aus der schweiz, die seit einiger zeit in marokko lebte und kamen langsam runter.

wir erkundeten ein bisserl die dünen um uns rum und wir probierten die snowboards, die daniela mal mitgebracht hatte. heuer in obertauern kam bei maya und kim eh die idee auf, mal einen snowboardkurs zu machen. jetzt sammelten sie erste erfahrungen auf sandhängen und es klappte erstaunlich gut.

wir hatten uns festgefahren im morast und mussten den wagen bergen, wir wurden zum tee bei berbern eingeladen, der toyota grub sich durch weichsandpassagen und überwand dünen, wir probierten mit dem snowboard dünen zu surfen, aßen abends tajine, danach lagerfeuer und livemusik, ein tag wie aus dem reiseführer. für letzteres waren wir allerdings zu müde, bei uns gab es um zehn noch eine episode der film people in marokko und dann schliefen wir gut. die folklore überließen wir einer siebenköpfigen reisegruppe aus den usa, die am abend noch eingetroffen war.


tag 11 - 0 km
marokko, erg chigaga.
morning routine, aktualisierung des reiseberichts frühmorgens am toyota. unser kleiner gaskocher am auto kam zum einsatz, strom für den wasserkocher gab es nicht im zelt.

morning routine in der wüste
wir hatten die komfortzone verlassen. warmes wasser gab es noch keines in der früh, da musste erst die sonne etwas scheinen. das tat sie aber brav. der strom zum laden war knapp, insbesondere die steckdosen. wir waren zusammen mit daniela aus der schweiz und den sieben amerikanern im camp und teilten uns fünf steckdosen im gemeinschaftszelt, in dem auch gegessen wurde. wir waren daher froh um die sonne und unser solarpanel an der powerstation, die nicht nur die kühlbox kalt hielt, sondern auch handys und laptop lud. immerhin, das wifi hier war stabiler als im riad in marrakesch.
heute war es etwas diesig und wind kam auf, temperatur um zehn uhr vormittags einundzwanzig grad. zum nachmittag ließ der wind nach, es klarte auf und bekam siebenundzwanzig grad. wir machten praktisch nichts.

wüstencamp sanddünen
snowboard auf den dünen maya und kamele
alle in der wüste sanddünen
kamelreiten. soweit der plan. das hätten wir aber früher buchen müssen. für morgen hätte es noch geklappt, vor dem frühstück, aber durch die bewölkung wäre das mit glühendem sonnenunter- oder aufgang in den dünen eh nicht recht was geworden. die mädels nutzten die gelegenheit die dromedare zu herzen, mit denen die amerikaner ihren ausritt machten.

es blieb dabei, wir machten nichts, außer lesen, siesta machen, uno spielen, über die dünen tollen, abends tajine essen.


tag 12 - 55+94 km
marokko, zagora.
wir verließen das wüstencamp kurz nachdem auch die amerikaner abgefahren waren und verabschiedeten uns von unseren freundlichen gastgebern, bei denen wir uns sehr wohl gefühlt hatten.

sahara sahara
sahara sahara
weiter offroad bis m’hamid gut fünfzig kilometer. die navigation durch die wüste fiel uns nicht leicht, der track im navi und die befahrenen spuren in der wirklichkeit passten nicht immer zusammen. vor passagen mit tiefem weichsand oder dünen hatten wir großen respekt, wir wollten uns nicht nochmal festfahren, aber diesmal ging alles gut und der toyota grub sich tapfer durch den sand. die schwierigeren stellen fuhr ich im zweiten gang und anständig drehzal, ansonsten je nach untergrund. es war auch viel wellblechpiste, einige kilometer waren wir in einem flussbett auf fels unterwegs, manche abschnitte waren schotter, die geschwindigkeit variierte zwischen zwanzig und sechzig, meistens eher langsamer.

in m’hamid machten wir pause. an einer werkstatt pumpte uns ein freundlicher mechaniker die reifen wieder auf zweieinhalb bar auf, so musste ich den kompressor nicht aus der dachbox kramen. bei frischem orangensaft und tee beobachteten wir die sandspielzeuge, die aus der wüste kamen oder dorthin gebracht wurden. neben land cruisern, defendern, range rovern und verschiedenen allrad-lkws sahen wir rallyefahrzeuge, die auf anhängern gebracht wurden, wüsten-lkws im vollen rallye-outfit, die mit tiefladern zur wüste transportiert wurden, sehr unterhaltsam.

wir entschieden uns gegen weitere sechs stunden offroad nach zagora und für zweieinhalb stunden landstraße. eine gute entscheidung.

riad dar sofian
gegen drei uhr nachmittags erreichten wir unsere unterkunft in der oasenstadt zagora, das riad dar sofian. ein kontrastprogramm zum wüstencamp. kolonialzeitluxus mit herrlichen zimmern, bädern mit heißem wasser und kräftigem wasserdruck in der dusche, ein pool, ein paradiesischer nutzgarten, palmen, rosen, dazwischen gut gepolsterte liegen und hängematten. es gab eine elegante bar im garten, wo eine 0,33 liter flasche bier 50 dirham kostete, zuletzt zahlte ich an einem campingplatz 70 dirham für 0,25 liter. der campingplatz hatte eine monopolstellung, es war die einzige verkaufsstelle für alkohol im umkreis von über zwanzig kilometer.

abends trafen wir uns frisch geduscht und schick gemacht zum dinner, nachdem wir die letzten tage im großen sandkasten verbrachten und entsprechend beieinander waren, als wir hier ankamen.


tag 13 - 216 km
marokko, tinghir.
von unserem riad geht es weiter offroad bis boumalne dadès, wo wir auftanken. soweit der plan. tatsächlich fuhren wir landstraße, das war landschaftlich auch schön und wir wollten die zeit bis zum check-out um 11:30 hier nutzen und noch ein bisschen kultivierte zivilisation tanken, unser abenteuerbedarf war noch ganz gut gedeckt von den letzten tagen. wir waren shoppen, übten uns in landestypischer preisverhandlung und sind erst am frühen nachmittag los. offroad hätten wir uns zeitig aufmachen müssen, die fahrzeit wäre das doppelte gewesen.

oase tinghir
auf dem bild links der ort toudgha el oulia, ein teil der oase tinghir. der fluss todra bringt schmelzwasser aus dem hohen atlas und ein von den berbern geschaffenes bewässerungssystem versorgt die oase mit wasser.

das dadès-tal wurde kurzfristig gestrichen, wir gewannen dadurch zweieinhalb stunden zur individuellen verwendung. ich hatte mir aus der wüste einen katarrh mitgebracht und nutzte die zeit für eine ausgiebige siesta in unserer herberge hotel camping le soleil nahe tinghir.

abends gutes und sehr reichliches essen, natürlich wieder harira und verschiedene tajine. wir gingen früh ins bett.


tag 14 - 467 km
marokko, meknès.
um sechs uhr dreißig in der früh krähte der hahn, ausgiebig und hartnäckig, um sieben standen wir auf. frühstück gab es erst im halb neun. zeit den sonnenaufgang zu genießen, die reisenotizen zu ergänzen und tee zu trinken. der katarrh war etwas besser geworden, wir hatten einen langen tag vor uns. die mädels bekamen zur verabschiedung armbänder von unserem gastgeber, den wir als besonders herzlich in erinnerung behalten werden.

wir waren jetzt auf dem rückweg. die todra-schlucht haben wir gestern nicht mehr angeschaut, annette war mit lucie spazieren in die richtung und maya war mit lucie laufen, aber gesehen hatten sie nichts, obwohl die schlucht fussläufig von unserer unterkunft entfernt sein sollte. wir versuchten es daher heute mit dem auto, aber der erste versuch mit navi scheiterte und für weitere anläufe fehlten uns zeit und motivation, es standen lange fahrtage an heute und morgen.

schafe
zunächst ging es auf der n13 richtung norden.

die n13 ist eine landschaftlich beeindruckende, gut ausgebaute nationalstraße, die den norden mit der sahara verbindet. die landschaft war abwechslungreich, es ging über den mittleren atlas auf über zweitausend meter und wurde entsprechend kalt. in den zedernwäldern sahen wir die berberaffen, sonst eher schafe.
station machten wir im les jardins de ryad bahia am stadtrand von meknès, einer der vier königsstädte.
les jardins de ryad bahia
das haus war schön, auch im kolonialzeitlichen stil wie unsere letzte unterkunft, leider nicht ganz so schön gelegen und mit eingeschränktem service. wir waren die einzigen gäste, es gab kein abendessen, in den zimmern mussten wir erstmal mit der klimaanlage heizen, weil es kalt geworden war.

zum dinner stürzten wir uns in die medina von meknès, zwanzig minuten für fünf kilometer fahrt vom hotel zu einem parkplatz in der stadt, na ja, wir hätten auch ein taxi nehmen können, aber der stadtverkehr hier ist auch ein erlebnis. wir aßen im kleinen und sehr gut besuchten restaurant aisha, das kim über die happycow app gefunden hatte. zum abschlussdinner unserer nordafrikareise gab es wieder harira, tajine, couscous und wir probierten rfissa, letzteres war nicht so meins.


tag 15 - 403 km
spanien, algeciras.
heute fuhren wir mit der fähre zurück auf den europäischen kontinent. die fahrt nach tanger med ging fix und führte uns durch landwirtschaftlich genutzte flächen, viele felder, viel grün und blühende blumenvielfalt am straßenrand. wir fuhren durch dörfer in denen die armut sichtbar war, ein kontrast zu den blitzsauberen königsstädten.

wir hatten viel erlebt während unserer zwölf tage in marokko. wir sahen drei königsstädte und streunten bei zwei davon durch die engen gassen der medina. wir fuhren über den hohen atlas in die sahara und über den mittleren wieder zurück. wir übernachteten in riads, einem kolonialzeitpalast und in einem wüstencamp, wo wir nachts den sternenhimmel bewunderten. wir fuhren offroad durch tiefen sand und über endlose pisten und tollten barfuss über die dünen. wir sahen ein abwechslungreiches land und lernten liebe menschen kennen. die herzlichkeit, die uns hier begegnete, übertraf unsere erwartungen und bis auf ein paar geschäftstüchtige unternehmer in der medina von marrakesch machten wir keinerlei schlechte erfahrungen, das gegenteil war der fall.

die marokkaner sind stolz auf ihr land, auf ihre freundlichkeit, auf den tourismus. das gilt auch für die polizei. wir sind in den knapp zwei wochen durch etwa hundert polizeikontrollen gefahren, in den städten sind diese sehr häufig, in rabat praktisch an jeder kreuzung. wir wurden immer durchgewinkt, meistens mit freundlichem blickkontakt. an die verkehrsregeln, insbesondere die geschwindigkeitsbegrenzung, sollte man sich allerdings genau halten.

der angenehm zurückhaltende und stets höfliche umgang mit touristen scheint zum mindset in diesem land zu gehören. sprachlich hatten wir keine probleme. französisch wurde praktisch überall gesprochen, aber wir kamen auch mit englisch gut durch. die meisten, die hier ihr geld mit touristen verdienen, sprechen gut englisch. nach unseren erfahrungen vor zwei jahren in der türkei, wo kaum jemand englisch mit uns sprach und wir uns manchmal wie aliens und nicht sehr willkommen fühlten, hatten wir vorbehalte in ein islamisch geprägtes land zu reisen. marokko belehrte uns eines bessern. wir wurden alle und insbesondere die vier fünftel weibliche mitglieder unserer reisegruppe stets freundlich und respektvoll behandelt. wir fühlten uns sehr wohl hier und stets sicher.

marokko ist auch ein ort für oldtimer spotter. besonders mercedes transporter t1 und baby-benze waren häufig anzutreffen. besonders gefielen mir die alten 504er peugeot, leider fuhren davon nicht mehr viele rum, aber ein paar, insbesondere den pickup konnte man noch entdecken (es gibt auch ein wunderschönes cabrio, allerdings habe ich keines in marokko gesehen). öfters zu sehen gab es den r4 und manche w123er und w124er. daneben dominierten südlich des atlas-gebirges toyota land cruiser und hiluxe. es wurde dem car spotter nicht langweilig.

marokko hat viel zu bieten und für eine rundreise mit dem auto waren zwei wochen sehr knapp, wir konnten uns einiges aufheben für die nächste reise hierher.

fähre
angekommen in tanger med hatten wir großes glück mit der fähre. nach dem ticketkauf und der zoll-kontrolle samt röntgen unseres autos fuhren wir ohne wartezeit direkt auf die fähre und waren das letzte fahrzeug, das eingeschifft wurde, bevor die hydraulische rampe hochfuhr und das schiff ablegte.

weniger glück hatten wir mit den flügen. noch in der warteschlange der spanischen passkontrolle im hafen von algeciras checkten wir mit der lufthansa-app ein. annette und maya bekamen boardkarten, aber nur auf warteliste. vermutlich war das eine folge des streiks bei lufthansa heute.

wir bezogen quartier im hotel mirador in algeciras gleich beim hafen. das hotel war einfach aber zweckmässig, wir konnten direkt vor dem haus parken, es gab ein café zum frühstücken, die zimmer hatten blick auf den hafen. die einrichtung war nicht so liebevoll verspielt, wie wir das von marokkanischen unterkünften gewöhnt waren. in den lampen steckten nackte glühbirnen ohne schirm, die einen morgens mit kaltweißem led-licht anbrüllten, das beschleunigte den aufwachprozess. dafür ging die dusche gut, das war in marokko eher selten.

algeciras
abendessen in der bar los pulpos algeciras am strand mit blick auf den hafen und die straße von gibraltar, einer der meistbefahrenen wasserstraßen der welt, die täglich von rund dreihundert handelsschiffen durchfahren wird. es erinnert an den iran-krieg und die blockierte straße von hormus, dem weltweit wichtigsten durchgang für erdöl- und flüssigerdgas-exporte. es gab paella de mariscos, während wir die in der nacht gut beleuchteten schiffe beobachteten und auf trump schimpften.


tag 16 - 130+233 km
spanien, málaga airport agp und almeria.

kurze etappe zum flughafen um annette und maya abzusetzten. leider kam annette nicht mit dem flieger mit, lufthansa hatte den flug überbucht und obwohl wir zwanzig stunden vorher eincheckten und vier stunden vorher am flughafen waren, konnte annette nicht mit und musste noch eine nacht in einem hotel in málaga bleiben, das die lufthansa organisiert hatte. morgen neuer anlauf über brüssel. am flughafen zufälliges treffen mit moni, armin und zwei ihrer töchter, die wegen des streiks des lufthansa bodenpersonals schon seit freitag festsaßen.

lucie, kim und ich waren inzwischen mit dem toyota weiter richtung heimat unterwegs. der us-amerikanische schriftsteller bill bryson hat einmal gesagt »ich könnte mein leben damit verbringen, jeden abend in einer neuen stadt anzukommen«. das probierten wir die nächsten tage aus und wir begannen in almeria, genaugenommen etwas nördlich des küstenortes im landesinnern in der sierra alhamilla. wir blieben eine nacht im hotel balneario sierra alhamilla.

bad
das in einem historischen kurbad untergebrachte hotel lag nordwestlich der stadt almería zwischen der wüste von tabernas und der bucht von almería hoch in den bergen im naturpark sierra alhamilla, der zusammen mit den gebirgszügen von gádor und cabrera zu den bergmassiven an der andalusischen küste gehört. in der gegend befinden sich zahlreiche wasserauftriebe, darunter die historischen balneario sierra alhamilla. die gegend ist bekannt als drehort zahlreicher spaghetti-western.

maya war inzwischen über den flughafen münchen daheim in landshut angekommen. annette wartete im von der lufthansa organisierten hotel nostrum auf ihren flug morgen. der rest nahm ein thermalbad vor dem späten abendessen, schließlich waren wir in einem kurbad.


tag 17 - 501 km
spanien, burriana.
lucie erstellte heute während der fahrt einen letzten whatsapp-status, ein kleiner wärmender rückblick für die gestrandete, damit der flughafenärger besser auszuhalten war. die gestrandete hat das nach eigener aussage sehr wohl gestimmt.

alqueria calatrava b+b
sechzig kilometer nördlich von valencia nächtigten wir im alqueria calatrava b&b. es war kühler geworden und wir genossen das sehr komfortable gutshaus und die überdachte terrasse. das b&b lag in einem großem orangenhain, es gab verschiedene honesty-bars und viel kunst zu bestaunen, unsere zimmer verfügten über große luxuriöse bäder. insbesondere letzteres genossen wir besonders nach zwei wochen marokko.

annette kam um halbelf endlich zu hause an, wir waren da grade auf einem ausführlichen verdauungsspaziergang zum strand nach einem fast zu reichlichen abendessen beim inder.


tag 18 - 291 km
spanien, sant cugat.
montag früh in burriana. in münchen hatte es sieben grad und war bewölkt, hier sah es ähnlich aus und hatte kaum fünf grad mehr. annette ging heute wieder in die schule, maya war gestern arbeiten und ging heute wieder zur uni. lucie, kim und ich machten uns auf den weg weiter richtung norden.

nach einer kurzen etappe erreichten wir gegen eins unsere nächste station qgat restaurant events & hotel, das etwa eine halbe stunde von barcelona entfernt war. es war ein sehr modernes business hotel mit coworking spaces, schwimmbad, gym und reichlich parkplätzen.

sagrada família
nach der siesta fuhren wir mit dem uber zur sagrada família. tickets hatten wir keine, aber wir fanden die kirche von außen bereits sehr beeindruckend, ebenso die schlange jener, die tickets hatten und auf einlass warteten. es waren unmengen anderer touristen da, das war nicht anders zu erwarten. wir streunten durch die stadt, waren zweimal essen, erst im irish pub, danach in einem angesagten veganen restaurant, und kamen abends nach üppigem speisen wohlgenährt und müde mit dem uber zu unserem hotel zurück.

annette brachte ihren ersten schultag hinter sich. moni samt familie hatte es spätabends auch wieder nach münchen geschafft.


tag 19 - 553 km
frankreich, chanos-curson.
frühstück als einzige urlauber zwischen vielen geschäftsleuten. im hotel fand unter anderem eine veranstaltung von salesforce statt. drin viele anzüge und schicke outfits, draußen alles, was der deutsche premiumautomobilbau hergibt von bmw über mercedes bis porsche. dazwischen wir im urlaubsoutfit, draußen der land cruiser noch in voller kriegsbemalung seit dem ausflug ins schlammloch.

vw bus t2
strecke machen. logis südlich von lyon im la ferme des denis, einem bauernhof aus dem sechzehnten jahrhundert im herzen der weinregion crozes-hermitage. die zimmer waren einfach und funktional und teilweise in eine frühere scheune gebaut. ich schlief praktisch neben einem alten t2 vw bus, lucie und kim hatten ihre zimmer eine etage höher.

abendessen aus dem carrefour. quatre baguettes fraîches en promotion, das vierte war gratis, vegane brotzeit für kim und lucie, fromage, salami et vin rouge für mich, dazu an paar oliven. es war schon wieder zu viel, wir müssen einen gang runter schalten. danach uno und mit theo dem hund spielen.

mir fiel auf, dass ich mich schon an den komfort von gemini, der google ai, gewöhnt hatte, das funktionierte nämlich in frankreich nicht. wie schnell dienste, die man vor einem jahr noch nicht nutzte, einem fehlen können.


tag 20 - 212 km
frankreich, annecy.
sieben grad, frisch war es in der früh, aber die sonne schien. wir hatten nicht weit heute, wollten in frankreich nochmal voll tanken, bevor es über die schweiz nach hause ging.

beim frühstück unterhielten wir uns wie schon gestern nett mit unserem gastgeber stéphane, wie ich vom guten jahrgang 1969. bevor er das bed&breakfast aufmachte war er sales manager. seine frau arbeitete in einem energiekonzern und macht jetzt in reflexzonenmassagen, ebenfalls auf dem landgut, das seit einigen generationen im familienbesitz ist. zum petit dejeuner besorgte stéphane extra noch vegane leckereien.

nach kurzer fahrt erreichten wir annecy, es liegt an der nordspitze des lac d’annecy kurz vor der schweizer grenze. wir stiegen im hôtel les muses ab.

annecy
im ort war viel los. am wochenende sollte ein bekannter marathon stattfinden mit großem rahmenprogramm, entsprechend ging es zu. wohin man schaute sah man läufer, auch etliche radlfahrer auf teuren rennvelos waren unterwegs.

wir spazierten in der guten spätnachmittagssonne am see entlang in die vieille ville, die altstadt. dort aßen wir sehr gut. die preise orientierten sich an der nahen schweiz, der burger vierundzwanzig euro, das bier acht, die kugel eis dreifuffzig, sie nahmen es von den lebenden. wir tankten für zwei euro den liter e5, benzinpreis war auch wie in der schweiz.


tag 21 - 656 km
poing.
heute starteten wir früh, check-out sieben uhr, um halbacht waren wir on the road. endspurt. frühstück ersetzten wir durch einen stop in österreich, wo wir auch nochmal für einszweiundsiebzig voll tankten. fast zu hause beim gruber war dann wieder zweinullacht. egal, mit den zwanzig litern aus marokko im reservekanister konnte ich den toyota daheim fast wieder voll machen.

aus die maus.