In Sucre gibt es ein paar bemerkenswerte Silvesterbraeuche. Zum Beispiel wechselt man kurz vor 12 die Unterwaesche, um das neue Jahr mit etwas Neuem zu beginnen. Zwischen Weihnachten und Silvester verwandelt sich daher der Weihnachtsmarkt am Stadion in einen reisigen Unterwaeschemarkt. Besonders die Farbe Gelb dominiert die Verkaufsstaende.
Rote Unterwaesche steht fuer Glueck in der Liebe, gelbe fuer Glueck allgemein und gruene fuer Glueck in finanziellen Dingen. Manchem faellt da die Entscheidung gar nicht leicht: Gelb, rot oder doch lieber gruen? Wo setzt man die Prioritaet fuer das kommende Jahr.
Um Mitternacht muss man ausserdem 12 Trauben essen und sich dabei fuer jeden Monat etwas wuenschen. Gar nicht so leicht sich 12 Wuensche zu ueberlegen. Man kann sich allerdings auch mehrmals dasselbe wuenschen.
Besonders schoen finde ich persoenlich folgenden Brauch: Wenn man Reiseplaene hat, soll man sich zum Zwoelfuhrschlag mit gepackten Koffern an die naechste Strassenecke stellen. Allerdings konnte ich leider niemanden beobachten, der diesen Brauch tatsaechlich praktizierte.
Sunday, January 15. 2012
Silvester
Weihnachten
Weihnachten wird hier am 24. und 25.12 gefeiert. Am 24. stoesst man um Mitternacht mit Sekt oder etwas aehnlichem an. Danach werden Geschenke ausgepackt, sofern vorhanden. In den meisten Familien bekommen nur die Kinder etwas geschenkt. Die Geschenke duerfen sich die Kinder hier selbst aussuchen. Vor Weihnachten gibt es auch in Sucre einen riesigen Weihnachtsmarkt um das Stadion herum. Dort kann man Kekse, Panetone, Massen an Spielzeug und viel Kleidung kaufen. Die Familien besuchen alle zusammen den Markt und die Kinder schreien alle zwei Minuten "Mami, das will ich haben ... und das ... und das!" Hier glaubt keiner an Christkind, Weihnachtsmann und Co.
Zum Essen gibt es um Mitternacht den traditionellen Weihnachtseintopf in Bolivien, die Picana. Picana besteht aus Mais, Kartoffeln, Erbsen, Rueben, Rind- und Huehnerfleisch. Wie der Name schon verraet ist die Picana meist scharf gwuerzt. Zum Nachtisch gibt es Buñuelos. Das ist Fettgebackenes, das man mit Zuckerrohrsirup oder suesser Kondensmilch isst. Sehr lecker!
Von unserer Terrasse aus konnte ich am ersten Weihnachtsfeiertag beobachten wie ein paar Strassen weiter Buñuelos und heisse Schokolade verteilt wurde an die Leute vom Land, die schon seit Wochen zu Hunderten in die Stadt gekommen waren. „Nicht draengeln, wenn Sie schupsen, muessen Sie sich hinten anstellen!, toente es die ganze Zeit aus den Lautsprechern, auf Spanisch und auf Quetschua mit zunehmender Gereiztheit. Ein riesen Menschnauflauf! Unglaublich! Das Spektakel dauerte den ganzen Tag.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag waren wir dann in Serrano. Das ist ein kleiner Ort vier Busstunden von Sucre entfernt. Dort hat eine der Gastfamilien ein kleines Haus. In dem Dorf ist es grosse Tradition an Weihnachten zu tanzen. Alle versammeln sich auf dem Dorfplatz und tanzen in kleinen Gruppen um den Platz herum.
Ausserdem steht in Serrano das groesste Charango der Welt. Ein Charango ist eine Art kleine Gitarre. Das groesste Charango der Welt muss allerdings von drei Leuten zusammen gespielt werden. Eindrucksvoll!
Zum Essen gibt es um Mitternacht den traditionellen Weihnachtseintopf in Bolivien, die Picana. Picana besteht aus Mais, Kartoffeln, Erbsen, Rueben, Rind- und Huehnerfleisch. Wie der Name schon verraet ist die Picana meist scharf gwuerzt. Zum Nachtisch gibt es Buñuelos. Das ist Fettgebackenes, das man mit Zuckerrohrsirup oder suesser Kondensmilch isst. Sehr lecker!
Von unserer Terrasse aus konnte ich am ersten Weihnachtsfeiertag beobachten wie ein paar Strassen weiter Buñuelos und heisse Schokolade verteilt wurde an die Leute vom Land, die schon seit Wochen zu Hunderten in die Stadt gekommen waren. „Nicht draengeln, wenn Sie schupsen, muessen Sie sich hinten anstellen!, toente es die ganze Zeit aus den Lautsprechern, auf Spanisch und auf Quetschua mit zunehmender Gereiztheit. Ein riesen Menschnauflauf! Unglaublich! Das Spektakel dauerte den ganzen Tag.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag waren wir dann in Serrano. Das ist ein kleiner Ort vier Busstunden von Sucre entfernt. Dort hat eine der Gastfamilien ein kleines Haus. In dem Dorf ist es grosse Tradition an Weihnachten zu tanzen. Alle versammeln sich auf dem Dorfplatz und tanzen in kleinen Gruppen um den Platz herum.
Ausserdem steht in Serrano das groesste Charango der Welt. Ein Charango ist eine Art kleine Gitarre. Das groesste Charango der Welt muss allerdings von drei Leuten zusammen gespielt werden. Eindrucksvoll!
Demonstrationen, Blockaden, Streiks und so weiter
Alles scheint hier ein Kampf zu sein und politisch obendrein. Als wir im September nach Sucre kamen, fand fast jeden Tag eine Demonstration statt, fuer die Rechte der Frau, fuer den Schutz der Umwelt, fuer TIPNIS. Die Demos werden immer begleitet von Musik und lautstarken Sprechchoeren. Es beteiligen sich auch je nach Thema Kindergaerten und Schulen an den Protesten mit selbstgeschneiderten Kostuemen und selbstgemalten Plakaten. Sehr bunt und lebendig.
Im November und Dezember gab es fast woechentlich Blockaden, wenn nicht in Sucre, dann in anderen Staedten. Mal waren es die Lastwagenfahrer, die gegen hoehere Steuern protestierten, mal die Bauern.
Im Dezember fanden ausserdem Wahlen statt. Da gab es zuvor einige Jubelparaden, zu denen Leute vom Land in die Stadt gekarrt wurden, damit sie fuer eine bestimmte Partei werben. Zur Belohnung gibt es dann angeblich ein warmes Essen und manchmal noch etwas mehr.
Auch Hungerstreiks sind hier nicht selten. Im September gab es ein Zeltlager an der Plaza, in dem Studenten sich im Hungerstreik abwechselten. Der Oscar hat mir erzaehlt, dass zu seiner Zeit an der Uni die Studiengebuehren erhoeht wurden. Daraufhin traten erst die Dozenten und spaeter auch die Studenten in den Hungerstreik, jeder fuer mindestens 2 Tage. Es gab einen Streikplan und jeder fuenfte Student auf der Liste musste an einem festgelegten Tag in den Hungerstreik treten. Hatte man die obligatorischen 2 Tage geschafft, konnte man freiwillig noch um einen Tag verlaengern.
Im November und Dezember gab es fast woechentlich Blockaden, wenn nicht in Sucre, dann in anderen Staedten. Mal waren es die Lastwagenfahrer, die gegen hoehere Steuern protestierten, mal die Bauern.
Im Dezember fanden ausserdem Wahlen statt. Da gab es zuvor einige Jubelparaden, zu denen Leute vom Land in die Stadt gekarrt wurden, damit sie fuer eine bestimmte Partei werben. Zur Belohnung gibt es dann angeblich ein warmes Essen und manchmal noch etwas mehr.
Auch Hungerstreiks sind hier nicht selten. Im September gab es ein Zeltlager an der Plaza, in dem Studenten sich im Hungerstreik abwechselten. Der Oscar hat mir erzaehlt, dass zu seiner Zeit an der Uni die Studiengebuehren erhoeht wurden. Daraufhin traten erst die Dozenten und spaeter auch die Studenten in den Hungerstreik, jeder fuer mindestens 2 Tage. Es gab einen Streikplan und jeder fuenfte Student auf der Liste musste an einem festgelegten Tag in den Hungerstreik treten. Hatte man die obligatorischen 2 Tage geschafft, konnte man freiwillig noch um einen Tag verlaengern.
Hunde
Hier gibt es unzaehlige Hunde, grosse, kleine, braune, weisse und schwarze, in Rudeln und einzeln. Manchmal sind es so viele, dass sie mir richtig Angst einjagen. Zumal Tollwut hier nichts ungewoehnliches zu sein scheint.
Die meisten haben allem Anschein nach keinen Besitzer. Sie ernaehren sich von den Abfaellen, die sie in den Strassen finden. Das sind ziemlich viele und zwar aus zwei Gruenden: Zum einen gibt es hier kaum Muelleimer, weshalb der Muell meist auf der Strasse landet und zum anderen legt man seinen Hausmuell abends einfach auf die Strasse, damit er abgeholt wird. Gegen 11 Uhr koommt dann die Muellbfuhr und sammelt alle Tueten ein. Das Problem ist, dass zu diesem Zeitpunkt die Muelltueten schon alle aufgerissen und durchwuehlt sind. Das wiederum liegt an den Hunden, die staendig auf der Suche nach etwas Essbarem sind und so den Muell ganz gleichmaessig auf den Strassen verteilen. Seit mir das klar geworden ist, moechte ich die Hunde nicht mehr streicheln.
Die meisten haben allem Anschein nach keinen Besitzer. Sie ernaehren sich von den Abfaellen, die sie in den Strassen finden. Das sind ziemlich viele und zwar aus zwei Gruenden: Zum einen gibt es hier kaum Muelleimer, weshalb der Muell meist auf der Strasse landet und zum anderen legt man seinen Hausmuell abends einfach auf die Strasse, damit er abgeholt wird. Gegen 11 Uhr koommt dann die Muellbfuhr und sammelt alle Tueten ein. Das Problem ist, dass zu diesem Zeitpunkt die Muelltueten schon alle aufgerissen und durchwuehlt sind. Das wiederum liegt an den Hunden, die staendig auf der Suche nach etwas Essbarem sind und so den Muell ganz gleichmaessig auf den Strassen verteilen. Seit mir das klar geworden ist, moechte ich die Hunde nicht mehr streicheln.
Saturday, January 14. 2012
Jetzt mal ein paar Fotos
Ab Mitte Januar kann man hier seine Kinder für den Kindergarten anmelden. Diese Stuhlreihe habe ich am 3. Januar vor einem Kindergarten photographiert. Sie war noch sehr viel länger als man hier erkennen kann.
Und hier seht ihr den Abschluß des Gottesdienstes an drei Königen. Alle bringen Jesuskindlein in Krippen mit. Zu Beginn des Gottesdienstes werden die Kindlein von den Heiligen Drei Königen (Drei Männer in sehr güldenen Kostümen) mit Goldstaub versehen und am Schluß stellt sich die ganze Gemeinde vor der Kirche an und die Ministranten dürfen alle kräftig mit Weihwasser bespritzen.
Das war ein Kongress in Sucres Innenstadt, auf dem wir Bücher verkauft haben. Rechts Liz, die Sekretärin der ASE, links meine Weste.
Hier warte ich auf meine Taufe. Zu meinen Füßen die Schüssel mit Chicha und der Eimer ebenfalls mit Chicha daneben.
Getauft wurden aber hauptsächlich die Taufpaten. Wie man hier deutlich erkennen kann...
Jetzt kommt die Taufe der Gebäckmännchen. Meines hieß Maria.
Hier ein paar Fotos vom Allerheiligentreiben in Sucre in Yotala:
Sunday, November 20. 2011
Feste und Feiertage
Allerheiligen
Allerheiligen heisst hier Todos Santos und wird gross gefeiert. Wir (Oscar, bei dem ich wohne und ich) haben den Tag in Sucre verbracht. Man arbeitet nur bis mittags und geht dann auf den Friedhof, wo man die Graeber der Verstorbenen dekoriert. Die Familien, die im letzten Jahr ein Familienmitglied verloren haben, dekorieren dessen Grab besonders aufwaendig. Auf einer Picknickdecke vor der Grabstelle werden Gebaeck, Obst, Koka und Blumen ausgebreitet. Der Grabstein wird mit schwarz-lilianen Girlanden geschmueckt. Kinder gehen von Grab zu Grab, knien sich nieder und sprechen laut ein paar Gebete fuer den Verstorbenen. Dafuer erhalten sie ein Gebaeckstueck vom Gabentisch. Die ganze Familie ist anwesend, Freunde und Verwandte kommen vorbei und kondolieren.
Am zweiten November sind Oscar und ich nach Yotala gefahren, wo seine Famile herkommt und seine Eltern und einer seiner Brueder begraben liegen. Beide Arme voller Blumen kamen wir gegen 11 auf dem Friedhof an und begannen die drei Graeber der Familie zu schmuecken. Um 12 begann der Gottesdienst auf dem Friedhof, der bis 2 dauerte, weil die Namen aller Verstorbenen nicht nur vom vergangenen Jahr einzeln verlesen wurden. Danach wurden wir von einer Familie, die mit der von Oscar gut befreundet ist eingeladen. Die Grossmutter war im letzten Jahr verstorben. Ihr zu Ehren hatte die Familie im Wohnzimmer einen grossen Altar aufgebaut. Auf diesem Altar stand ein Foto der Verstorbenen. Darunter hatte man Blumen, Obst, Gebaeck und die Lieblingsspeisen und -getraenke der Verstorbenen gestellt. Auch von allen Gerichten, die die Familie an diesem Tag isst, bekommt der Verstorbene eine Portion auf den Altar gestellt. Unter dem Foto lehnte eine grosse Leiter aus suessem Teig, ueber die die Grossmutter in den Himmel hinaufsteigen kann. Wie es in Yotala Brauch ist, oeffnete die Familie gegen Mittag alle Tueren und wartete auf "den Wind", der die Seele der Grossmutter bringt. Erst wenn diese eingetroffen ist, versammelt sich die Familie zum Mittagessen. In dem Zimmer, in dem der Altar aufgestellt ist, sind Stuehle an der Wand platziert. Alle Besucher sprechen zuerst ein kleines Gebet vor dem Altar und setzen sich dann auf einen freien Stuhl. Als Begruessungsdrink bekamen wir Wackelpuddung mit Singani, dem traditionellen Schnaps aus Trauben hier. Dann gab's eine Suppe. Anschliessend bekam man jeweils zu zweit eine rose Plastikschuessel mit Chicha, ein alkoholisches Getraenk, das aus Mais gemacht wird, vor die Fuesse gestellt. Diese Schuessel muss man leeren, bevor man wieder geht. Es ist auch Brauch, dass man sich gegenseitig einlaed auf den Verstorbenen zu trinken. Dazu prostet man einer anderen Person im Raum zu, bevor man trinkt und fuellt dann den Becher erneut. Wenn die andere Person den Becher ausgetrunken hat, fuellt sie ihn erneut und reicht ihn weiter oder gibt ihn zurueck. Da ich als gringa, als Auslaenderin, doch sehr auffalle, wurde ich sehr oft eingeladen. Die einzige Moeglichkeit Chicha unauffaellig unf hoeflich loszuwerden beseht darin einen kleinen Teil aus dem Becher auf den Fussboden zu schuetten, bevor man trinkt unf so der pachamama, der Mutter Erde, zu opfern.
Dankenswerterweise gab es dann das Hauptgericht, mondongo, das aus scharf gewuerztem geschmortem Schweinefleisch mit Reis, Kartoffeln unf Mais besteht. Die Hoeflichkeit gebietet es alles aufzuessen. Der anstrengende Teil dieses Tages ist, dass man diese ganze Prozedur nicht nur einmal durchlaeuft, sondern von Haus zu Haus zieht. Ueberall gibt es Chicha und Mondongo.
Als wir endlich gegen 8 Uhr abends wieder in Sucre waren, fiel ich nur noch ins Bett.
Am naechsten Tag fuhern wir wieder nach Yotala, um uns den Abbau der Altaere anzusehen. Wieder sprachen wir ein kleines Gebet, als wir den Raum betraten und suchten uns einen freien Stuhl. Wieder gab es Chicha und Mondongo. Nur diesmal musste man einen Teil der Chicha an die Ecken des Altars giessen, damit die Seele der Verstorbenen eine gute Heimreise in den Himmel hat.
Um 12 Uhr warteten alle wieder auf "den Wind", der die Seele wieder mitnimmt. Danach wird der Altar abgebaut. Zuerst bekommt jeder Anwesende Blumen und einen turco in den Arrm gelegt. Turcos sind kleine Maennchen aus suessem Teig. Es gibt Maennlein und Weiblein. Es folgte die "Taufe der Turcos". Wichtig ist sich einen moeglichst originellen Namen fuer seinen Turco auszudenken. Ein Familienmitglied verkleidete sich als Priester und nacheinander trat jeder mit seinem Turco vor den Altar und erwaehlte sich einen Taufpaten fuer sein "Kind". Der "Priester" hat die Aufgabe die ganze Gesellschaft zum Lachen zu bringrn mit Fragen wie: "So, und wo ist der Vater ?" oder Kommentaren wie "Die Nase hat er aber nicht von Ihnen." Nach der Taufe bekommt der Taufpate den Turco und das verbindet Mutter/Vater und Taufpate. Sie sind jetzt Trinkkumpane fuer die folgende Nacht.
Diese haben wir aber in Sucre verbracht. Dafuer war ich Oscar sehr dankbar.
Allerheiligen heisst hier Todos Santos und wird gross gefeiert. Wir (Oscar, bei dem ich wohne und ich) haben den Tag in Sucre verbracht. Man arbeitet nur bis mittags und geht dann auf den Friedhof, wo man die Graeber der Verstorbenen dekoriert. Die Familien, die im letzten Jahr ein Familienmitglied verloren haben, dekorieren dessen Grab besonders aufwaendig. Auf einer Picknickdecke vor der Grabstelle werden Gebaeck, Obst, Koka und Blumen ausgebreitet. Der Grabstein wird mit schwarz-lilianen Girlanden geschmueckt. Kinder gehen von Grab zu Grab, knien sich nieder und sprechen laut ein paar Gebete fuer den Verstorbenen. Dafuer erhalten sie ein Gebaeckstueck vom Gabentisch. Die ganze Familie ist anwesend, Freunde und Verwandte kommen vorbei und kondolieren.
Am zweiten November sind Oscar und ich nach Yotala gefahren, wo seine Famile herkommt und seine Eltern und einer seiner Brueder begraben liegen. Beide Arme voller Blumen kamen wir gegen 11 auf dem Friedhof an und begannen die drei Graeber der Familie zu schmuecken. Um 12 begann der Gottesdienst auf dem Friedhof, der bis 2 dauerte, weil die Namen aller Verstorbenen nicht nur vom vergangenen Jahr einzeln verlesen wurden. Danach wurden wir von einer Familie, die mit der von Oscar gut befreundet ist eingeladen. Die Grossmutter war im letzten Jahr verstorben. Ihr zu Ehren hatte die Familie im Wohnzimmer einen grossen Altar aufgebaut. Auf diesem Altar stand ein Foto der Verstorbenen. Darunter hatte man Blumen, Obst, Gebaeck und die Lieblingsspeisen und -getraenke der Verstorbenen gestellt. Auch von allen Gerichten, die die Familie an diesem Tag isst, bekommt der Verstorbene eine Portion auf den Altar gestellt. Unter dem Foto lehnte eine grosse Leiter aus suessem Teig, ueber die die Grossmutter in den Himmel hinaufsteigen kann. Wie es in Yotala Brauch ist, oeffnete die Familie gegen Mittag alle Tueren und wartete auf "den Wind", der die Seele der Grossmutter bringt. Erst wenn diese eingetroffen ist, versammelt sich die Familie zum Mittagessen. In dem Zimmer, in dem der Altar aufgestellt ist, sind Stuehle an der Wand platziert. Alle Besucher sprechen zuerst ein kleines Gebet vor dem Altar und setzen sich dann auf einen freien Stuhl. Als Begruessungsdrink bekamen wir Wackelpuddung mit Singani, dem traditionellen Schnaps aus Trauben hier. Dann gab's eine Suppe. Anschliessend bekam man jeweils zu zweit eine rose Plastikschuessel mit Chicha, ein alkoholisches Getraenk, das aus Mais gemacht wird, vor die Fuesse gestellt. Diese Schuessel muss man leeren, bevor man wieder geht. Es ist auch Brauch, dass man sich gegenseitig einlaed auf den Verstorbenen zu trinken. Dazu prostet man einer anderen Person im Raum zu, bevor man trinkt und fuellt dann den Becher erneut. Wenn die andere Person den Becher ausgetrunken hat, fuellt sie ihn erneut und reicht ihn weiter oder gibt ihn zurueck. Da ich als gringa, als Auslaenderin, doch sehr auffalle, wurde ich sehr oft eingeladen. Die einzige Moeglichkeit Chicha unauffaellig unf hoeflich loszuwerden beseht darin einen kleinen Teil aus dem Becher auf den Fussboden zu schuetten, bevor man trinkt unf so der pachamama, der Mutter Erde, zu opfern.
Dankenswerterweise gab es dann das Hauptgericht, mondongo, das aus scharf gewuerztem geschmortem Schweinefleisch mit Reis, Kartoffeln unf Mais besteht. Die Hoeflichkeit gebietet es alles aufzuessen. Der anstrengende Teil dieses Tages ist, dass man diese ganze Prozedur nicht nur einmal durchlaeuft, sondern von Haus zu Haus zieht. Ueberall gibt es Chicha und Mondongo.
Als wir endlich gegen 8 Uhr abends wieder in Sucre waren, fiel ich nur noch ins Bett.
Am naechsten Tag fuhern wir wieder nach Yotala, um uns den Abbau der Altaere anzusehen. Wieder sprachen wir ein kleines Gebet, als wir den Raum betraten und suchten uns einen freien Stuhl. Wieder gab es Chicha und Mondongo. Nur diesmal musste man einen Teil der Chicha an die Ecken des Altars giessen, damit die Seele der Verstorbenen eine gute Heimreise in den Himmel hat.
Um 12 Uhr warteten alle wieder auf "den Wind", der die Seele wieder mitnimmt. Danach wird der Altar abgebaut. Zuerst bekommt jeder Anwesende Blumen und einen turco in den Arrm gelegt. Turcos sind kleine Maennchen aus suessem Teig. Es gibt Maennlein und Weiblein. Es folgte die "Taufe der Turcos". Wichtig ist sich einen moeglichst originellen Namen fuer seinen Turco auszudenken. Ein Familienmitglied verkleidete sich als Priester und nacheinander trat jeder mit seinem Turco vor den Altar und erwaehlte sich einen Taufpaten fuer sein "Kind". Der "Priester" hat die Aufgabe die ganze Gesellschaft zum Lachen zu bringrn mit Fragen wie: "So, und wo ist der Vater ?" oder Kommentaren wie "Die Nase hat er aber nicht von Ihnen." Nach der Taufe bekommt der Taufpate den Turco und das verbindet Mutter/Vater und Taufpate. Sie sind jetzt Trinkkumpane fuer die folgende Nacht.
Diese haben wir aber in Sucre verbracht. Dafuer war ich Oscar sehr dankbar.
Saturday, November 19. 2011
Alltag in Sucre
Busfahren
Die Busse gehoeren hier wie in den meisten Staedten zum Stadtbild - eine interessante Mischung aus alten amerikanischen Dodges und ausgemusterten japanischen oder chinesischen Schulbussen (zu erkennen an den Bildern von winkenden Mangamaedchen), die mit ihren fremdanmutenden Schriftzeichen, die hier schaetzungsweise kaum jemand lesen kann, der Stadt ein kosmopolitisches Flair verleihen.
Es gibt weder einen Linien- noch Fahrplan. Man muss also jemanden fragen, der sich in der Stadt auskennt, um herauszufinden, mit welchem Bus man an sein Ziel gelangt. Manchmal fahren die Busse allerdings unvermittelt Umwege, z.B. bei Stau, Strassenbauarbeiten oder Unfaellen. Wenn mann sich nicht sicher ist, sollte man immer den Busfahrer fragen, ob er auch dort vorbeifaehrt, wo man aussteigen moechte. Falls er dann einen anderen als den ueblichen Weg nimmt, sagt er meist rechtzeitig Bescheid, wenn man aussteigen muss.
Die Abdeckung ist ausgesprochen gut. Man muss kaum laenger als 5 Minuten warten bis ein Bus kommt.
Haltestellen gibt es nicht wirklich. Moechte man also aussteigen, steht man auf und geht schon mal in die Naehe der Tuer, die hier immer offensteht. Wichtig ist sich gut fest zu halten, denn im Allgemeinen sind die Busse ziemlich flott unterwegs. Ist man dann an der Tuer angekommen und naehert sich der Bus der Stelle, an der man aussteigen moechte, schreit man laut: "Parada, por favor!" und klammert sich an die Haltestangen, denn der Busfahrer bremst, sofern er den Schrei vernommen hat, abrupt an.
Man gewoehnt sich schnell an diese Art des Busfahrens. Das Praktische ist, dass die Busse fast ueberallhin fahren. Ist ein Ort zu weit ausserhalb gibt es in der Regel sogenannte Trufis, die einen dorthin befoerdern koennen. Das sind umgebeute Kleinbusse, in die sich bis zu 20 Leute quetschen koennen. Dann ist die Fahrt allerdings nicht mehr allzu angenehm.
Kaffee
Zwei Arten der Kaffeezubereitung sind hier gaengig: Instantkaffee mit heissem Wasser und das Aufbruehen von Kaffepulver in der bolivianischen Kaffeekanne. Diese besteht aus einer kleinen Emaillekanne mit einem Aufsatz, in den man das Kaffeepulver einfuellt. Das Pulver verteilt man dann gleichmaessig und setzt anschliessend das obere Sieb ein, das bewirkt, dass sich das heisse Wasser gleichmaessig verteilt. Das Wasser ergiesst sich ueber das Kaffeepulver und fliesst durch ein weiteres Sieb, das den Boden des Aufsatzes bildet, als sehr konzentrierte schwarze Bruehe in die Kanne. Der Aufsatz hat ungefaehr die Groesse einer Durchschnittstasse. Man verwendet nicht mehr Wasser als in diesen Aufsatz hineinpasst. Denn in Bolivien stellt man erst eine Art Kaffeekonzentrat her, das dann wiederum portionsweise mit heissem Wasser aufgegossen wird. Das Konzentrat haelt sich mehrere Tage und wird nach und nach aufgebraucht. Deshalb steht in unserer Kueche immer eine Kanne mit Kaffeekonzentrat herum.
Im Projekt fehlt mir allerdings der Kaffee sehr, denn in unserem Buero gibt es keinen. Gerade am Nachmittag wenn die Biokurve ihr Tief errreicht, traeume ich deshalb des oefteren von einer schoenen heissen Tasse Keffee. Vor allem auf den Seminaren, wenn viel los ist, sind mir schon die Auen zugefallen. Anstatt einer Tasse Kasffee reicht man da naemlich Kokablaetter. Normalerweise ist es meine Aufgabe dafuer zu sorgen, dass auf jedem Tisch ein kleiner Teller mit ausreichend Kokablaettern steht. Die Blaetter werden gekaut und dann in einer Backe verstaut. Deshalb wird die Aussprache mancher Teilnehmer am Nachmittag etwas undeutlich.
Die Busse gehoeren hier wie in den meisten Staedten zum Stadtbild - eine interessante Mischung aus alten amerikanischen Dodges und ausgemusterten japanischen oder chinesischen Schulbussen (zu erkennen an den Bildern von winkenden Mangamaedchen), die mit ihren fremdanmutenden Schriftzeichen, die hier schaetzungsweise kaum jemand lesen kann, der Stadt ein kosmopolitisches Flair verleihen.
Es gibt weder einen Linien- noch Fahrplan. Man muss also jemanden fragen, der sich in der Stadt auskennt, um herauszufinden, mit welchem Bus man an sein Ziel gelangt. Manchmal fahren die Busse allerdings unvermittelt Umwege, z.B. bei Stau, Strassenbauarbeiten oder Unfaellen. Wenn mann sich nicht sicher ist, sollte man immer den Busfahrer fragen, ob er auch dort vorbeifaehrt, wo man aussteigen moechte. Falls er dann einen anderen als den ueblichen Weg nimmt, sagt er meist rechtzeitig Bescheid, wenn man aussteigen muss.
Die Abdeckung ist ausgesprochen gut. Man muss kaum laenger als 5 Minuten warten bis ein Bus kommt.
Haltestellen gibt es nicht wirklich. Moechte man also aussteigen, steht man auf und geht schon mal in die Naehe der Tuer, die hier immer offensteht. Wichtig ist sich gut fest zu halten, denn im Allgemeinen sind die Busse ziemlich flott unterwegs. Ist man dann an der Tuer angekommen und naehert sich der Bus der Stelle, an der man aussteigen moechte, schreit man laut: "Parada, por favor!" und klammert sich an die Haltestangen, denn der Busfahrer bremst, sofern er den Schrei vernommen hat, abrupt an.
Man gewoehnt sich schnell an diese Art des Busfahrens. Das Praktische ist, dass die Busse fast ueberallhin fahren. Ist ein Ort zu weit ausserhalb gibt es in der Regel sogenannte Trufis, die einen dorthin befoerdern koennen. Das sind umgebeute Kleinbusse, in die sich bis zu 20 Leute quetschen koennen. Dann ist die Fahrt allerdings nicht mehr allzu angenehm.
Kaffee
Zwei Arten der Kaffeezubereitung sind hier gaengig: Instantkaffee mit heissem Wasser und das Aufbruehen von Kaffepulver in der bolivianischen Kaffeekanne. Diese besteht aus einer kleinen Emaillekanne mit einem Aufsatz, in den man das Kaffeepulver einfuellt. Das Pulver verteilt man dann gleichmaessig und setzt anschliessend das obere Sieb ein, das bewirkt, dass sich das heisse Wasser gleichmaessig verteilt. Das Wasser ergiesst sich ueber das Kaffeepulver und fliesst durch ein weiteres Sieb, das den Boden des Aufsatzes bildet, als sehr konzentrierte schwarze Bruehe in die Kanne. Der Aufsatz hat ungefaehr die Groesse einer Durchschnittstasse. Man verwendet nicht mehr Wasser als in diesen Aufsatz hineinpasst. Denn in Bolivien stellt man erst eine Art Kaffeekonzentrat her, das dann wiederum portionsweise mit heissem Wasser aufgegossen wird. Das Konzentrat haelt sich mehrere Tage und wird nach und nach aufgebraucht. Deshalb steht in unserer Kueche immer eine Kanne mit Kaffeekonzentrat herum.
Im Projekt fehlt mir allerdings der Kaffee sehr, denn in unserem Buero gibt es keinen. Gerade am Nachmittag wenn die Biokurve ihr Tief errreicht, traeume ich deshalb des oefteren von einer schoenen heissen Tasse Keffee. Vor allem auf den Seminaren, wenn viel los ist, sind mir schon die Auen zugefallen. Anstatt einer Tasse Kasffee reicht man da naemlich Kokablaetter. Normalerweise ist es meine Aufgabe dafuer zu sorgen, dass auf jedem Tisch ein kleiner Teller mit ausreichend Kokablaettern steht. Die Blaetter werden gekaut und dann in einer Backe verstaut. Deshalb wird die Aussprache mancher Teilnehmer am Nachmittag etwas undeutlich.
Mein Projekt
Ich bin Freiwillige bei der A.S.E. (Asociación Sucrense de Ecología). Das ist ein Verein von Freiwilligen, der sich um Umweltthemen in Sucre kuemmert. Der Verein ist Teil eines Netzwerks aus Umweltorganisationen in Bolivien, das sich LIDEMA nennt. Die meisten, die dort mitarbeiten sind Ingenieure mit verschiedenen Spezialgebieten oder Anwaelte. Die Projekte der A.S.E. drehen sich um die Verkehrssituation, die Verseuchung der Boeden und Fluesse durch den Bergbau, um Aufforstung, Muellentsorgung und Recycling, usw.
Man organisiert Treffen von Experten aus ganz Bolivien zu einzelnen Themen. Bei den letzten Treffen ging es meist um die aktuelle Gesetzgebung im Umweltbereich. Hier gab es in letzter Zeit einige Aenderungen, was mit der neuen Verfassung zusammenhaengt.
Ausserdem betreibt die A.S.E. Aufklaerungsarbeit im Umweltbereich. Die Aktionen zielen darauf ab die Bevoelkerung fuer verschiedene Umweltthemen zu sensibilisieren. Es gab im letzten Jahr einen autofreien Tag, an dessen Vorbereitung man sich beteiligt hat, eine Aktion zur Kompostierung von Biomuell, Baumpflanzaktionen, Seminare fuer Lehrer aus Sucre und Umgebung und einiges mehr. Ausserdem kommen die Freiwilligen auf Anfrage in Schulen und Kindergaerten und halten dort Vortraege. Als ich in Bolivien ankam, war man stark mit dem Thema TIPNIS beschaeftigt. Das ist ein Naturschutzgebiet in der Naehe von Cochabamba, durch das eine Strasse gebaut werden sollte. Dort haben sich viele Tier- und Pflanzenarten erhalten, die sonst schon ausgestorben sind. Ausserdem wohnen dort kleine Dorfgemeinschaften, die in der selbstgewaehlten Isolation versuchen ihre ueberlieferte Kultur zu erhalten. Bei der A.S.E nennt man die Bewohner dieser Doerfer "compañeros indigenas". Nach einigen Demonstrationen, Streiks und Maerschen auf LaPaz hat die Regierung schliesslich eingelenkt. Jetzt wird die Strasse um TIPNIS herum gebaut. LIDEMA hatte einen Plakatwettbewerb zum Thema Save the TIPNIS ausgeschrieben. Diese Plakate haben wir dann in der casa de la cultura im Stadtzentrum ausgestellt. Naechste Woche ist eine Aktionswoche zur "sauberen Luft" geplant, die in erster Linie darauf aufmerksam machen will, dass auf Sucres Strassen zu viele zu alte Autos, vor allem aber Busse unterwegs sind, die ueber keinerlei Filter verfuegen. Es sind meist ausgemusterte Modelle aus China und Japan. Ich nehme an, dass das eben das billigste ist, was man kriegen kann, weil die Busfahrer ihr Fahrzeug hier selbst kaufen muessen. Die Stadt verfuegt ueber keine eigenen Busse, die hier neben den Taxis das Hauptverkehrsmittel darstellen. Weitere Aktionen sollen sich entweder um Batterien und deren Entsorung drehen, um Alternativen zu den Plastiktueten, die man hier bei jedem Einkauf bekommt oder um den Weihnachtsbaum mit Ruecksicht auf die schwindenden Baumbestaende in der Umgebung.
Momentan wird ausserdem ein grosses Versuchsprojekt vorbereitet, das sich mit der Eindaemmung der Umweltschaeden durch den Bergbau und gleichzeitig mit der Bewaeltung der Folgen des Klimawandels beschaeftigen soll. Ein Ort, an dem dieses Projekt durchgefuehrt werden soll, ist allerdings noch nicht gefunden. Ein moeglicher Kandidat ist San Lucas. Anfang November sind wir dorthin gefahren, um das Vertrauen der Bauern zu gewinnen und die Vorschlaege der A.S.E. kurz vorzustellen. Unter anderem will man Regenrinnen an den Haeusern anbringen, um das Regenwasser in grossen Tanks zu sammeln. Dort gibt es nur morgens um 7 Uhr und abends um 11 Uhr ausreichend Wasser. Ansonsten kommt nur ein muedes Rinnsal aus dem Wasserhahn. Das Wasser aus dem Fluss ist durch die Minen sehr stark belastet und Fische gibt es schon lange keine mehr.
Man organisiert Treffen von Experten aus ganz Bolivien zu einzelnen Themen. Bei den letzten Treffen ging es meist um die aktuelle Gesetzgebung im Umweltbereich. Hier gab es in letzter Zeit einige Aenderungen, was mit der neuen Verfassung zusammenhaengt.
Ausserdem betreibt die A.S.E. Aufklaerungsarbeit im Umweltbereich. Die Aktionen zielen darauf ab die Bevoelkerung fuer verschiedene Umweltthemen zu sensibilisieren. Es gab im letzten Jahr einen autofreien Tag, an dessen Vorbereitung man sich beteiligt hat, eine Aktion zur Kompostierung von Biomuell, Baumpflanzaktionen, Seminare fuer Lehrer aus Sucre und Umgebung und einiges mehr. Ausserdem kommen die Freiwilligen auf Anfrage in Schulen und Kindergaerten und halten dort Vortraege. Als ich in Bolivien ankam, war man stark mit dem Thema TIPNIS beschaeftigt. Das ist ein Naturschutzgebiet in der Naehe von Cochabamba, durch das eine Strasse gebaut werden sollte. Dort haben sich viele Tier- und Pflanzenarten erhalten, die sonst schon ausgestorben sind. Ausserdem wohnen dort kleine Dorfgemeinschaften, die in der selbstgewaehlten Isolation versuchen ihre ueberlieferte Kultur zu erhalten. Bei der A.S.E nennt man die Bewohner dieser Doerfer "compañeros indigenas". Nach einigen Demonstrationen, Streiks und Maerschen auf LaPaz hat die Regierung schliesslich eingelenkt. Jetzt wird die Strasse um TIPNIS herum gebaut. LIDEMA hatte einen Plakatwettbewerb zum Thema Save the TIPNIS ausgeschrieben. Diese Plakate haben wir dann in der casa de la cultura im Stadtzentrum ausgestellt. Naechste Woche ist eine Aktionswoche zur "sauberen Luft" geplant, die in erster Linie darauf aufmerksam machen will, dass auf Sucres Strassen zu viele zu alte Autos, vor allem aber Busse unterwegs sind, die ueber keinerlei Filter verfuegen. Es sind meist ausgemusterte Modelle aus China und Japan. Ich nehme an, dass das eben das billigste ist, was man kriegen kann, weil die Busfahrer ihr Fahrzeug hier selbst kaufen muessen. Die Stadt verfuegt ueber keine eigenen Busse, die hier neben den Taxis das Hauptverkehrsmittel darstellen. Weitere Aktionen sollen sich entweder um Batterien und deren Entsorung drehen, um Alternativen zu den Plastiktueten, die man hier bei jedem Einkauf bekommt oder um den Weihnachtsbaum mit Ruecksicht auf die schwindenden Baumbestaende in der Umgebung.
Momentan wird ausserdem ein grosses Versuchsprojekt vorbereitet, das sich mit der Eindaemmung der Umweltschaeden durch den Bergbau und gleichzeitig mit der Bewaeltung der Folgen des Klimawandels beschaeftigen soll. Ein Ort, an dem dieses Projekt durchgefuehrt werden soll, ist allerdings noch nicht gefunden. Ein moeglicher Kandidat ist San Lucas. Anfang November sind wir dorthin gefahren, um das Vertrauen der Bauern zu gewinnen und die Vorschlaege der A.S.E. kurz vorzustellen. Unter anderem will man Regenrinnen an den Haeusern anbringen, um das Regenwasser in grossen Tanks zu sammeln. Dort gibt es nur morgens um 7 Uhr und abends um 11 Uhr ausreichend Wasser. Ansonsten kommt nur ein muedes Rinnsal aus dem Wasserhahn. Das Wasser aus dem Fluss ist durch die Minen sehr stark belastet und Fische gibt es schon lange keine mehr.
Wednesday, September 21. 2011
Das Essen
Das Essen in Bolivien ist ausgesprochen lecker. Es nimmt einen sehr wichtigen Stellenwert im Allteg ein und entsprechend viel Zeit in Anspruch. Die wichtigste Mahlzeit des Tages ist das Mittagessen, zu dem sich oft die ganze Familie zu Hause versammelt. Daher sind die meisten Geschaefte auch zwischen 12 und 15 Uhr geschlossen. In den kleinen Restaurants, die sich hier an jeder Strassenecke finden, gibt jeden Tag ein komplettes Mittagessen zu sehr moderaten Preisen, das man auch im Voraus als "pension" fuer den ganzen Monat "abonnieren" kann. Dieses Mittagessen besteht meist aus einer Suppe, einem Hauptgericht und einem Erfrischungsgetraenk (oft aus getrockneten Pfirsichen, Tamarinden, Mais oder aehnlichem). Gelegentlich git es auch eine kleine Nachspeise oder einen Salat zum Hauptgericht. Die Portionen sind ueberwiegend so grosszuegig, dass man sich danach am liebsten ins Bett legen moechte. Ungewohnt war fuer mich auch die Tatsache, dass sich meist sowohl in der Suppe als auch im Hauptgericht Fleisch findet.
Wenn man nur einen kleinen Snack zu sich nehmen moechte, bieten sich dafuer in der Stadt auch reichlich Moeglichkeiten. Zu empfehlen waeren da die gegarten und gefuellten Kartoffeln, die Teigtaschen mit verschiedenen Fuellungen und der bolovianische Hot Dog. Das ist allerdings nur ein kleiner Ausschnitt aus der breiten Auswahl. Sehr zu empfehlen fuer den kleinen Hunger ist auch die Obstabteilung des Sucrenser Marktes. Da stehen kleine blau gestrichene Staende, die alle Arten von Obst anbieten, die man sich nur vorstellen kann. Ausserdem wird dieses Obst auf Wunsch direkt frisch zu Saeften, Milchmixgetraenken oder Obstsalaten mit Joghurt und Muesli verarbeitet. Auch hier sind die Potionen sehr ueppig.
Jetzt beginnt die Avocadozeit. Die Avocados sind viel kleiner als bei uns und der Geschmack deutlich intensiver. Man kauft sie hier im Dutzend.
Wenn man nur einen kleinen Snack zu sich nehmen moechte, bieten sich dafuer in der Stadt auch reichlich Moeglichkeiten. Zu empfehlen waeren da die gegarten und gefuellten Kartoffeln, die Teigtaschen mit verschiedenen Fuellungen und der bolovianische Hot Dog. Das ist allerdings nur ein kleiner Ausschnitt aus der breiten Auswahl. Sehr zu empfehlen fuer den kleinen Hunger ist auch die Obstabteilung des Sucrenser Marktes. Da stehen kleine blau gestrichene Staende, die alle Arten von Obst anbieten, die man sich nur vorstellen kann. Ausserdem wird dieses Obst auf Wunsch direkt frisch zu Saeften, Milchmixgetraenken oder Obstsalaten mit Joghurt und Muesli verarbeitet. Auch hier sind die Potionen sehr ueppig.
Jetzt beginnt die Avocadozeit. Die Avocados sind viel kleiner als bei uns und der Geschmack deutlich intensiver. Man kauft sie hier im Dutzend.
Monday, September 12. 2011
Die ersten Tage
Ankunft in LaPaz
Bei unserer Ankunft in LaPaz war es gerade 6 Uhr morgens und die Sonne erhob sich ueber die schneebedeckten Berggipfel. Auf der Fahrt vom Flughafen in ElAlto in die Innenstadt von LaPaz mit ihren Hochhaeusern eroeffnete sich uns ein atemberaubender Blick auf die erwachende Stadt. Die Sonne spiegelte sich in den unzaehligen Fenterscheiben der Haeuser und tauchte die Szene in ein warmes Rot. Ganz im Gegensatz zu der Luft, die empfindlich kalt war an diesem Wintermorgen. Die Stadt gibt sich sehr geschaeftig, viele Menschen, Taxis und Busse tummeln sich auf den Strassen und draengen sich durch die Gassen.
Hoehenkrankheit
Am ersten Tag in LaPaz hielt ich mich an alle Empfehlungen die Hoehe bertreffend, die da lauten: kein fettes oder ueppiges Essen, keine koerperlichen Anstrengungen, viel Ruhe und viel trinken. Und dennoch machte sich die Hoehe unangenehm bemerkbar. Zuerst hatte ich nur Kopfschmerzen, spaeter bei einem bedaechtigen Entdeckungsbummel durch die Gassen kam dann ein unangenehmes Herzrasen dazu, was mich auch an allen folgenden Tagen in LaPaz begleitete, sobald wir bergauf gingen, was in LaPaz doch sehr haeufig vorkommt. Angeblich hilft vor allem Kokatee gegen die Symptome der Hoehenkrankheit. Das kann ich nur bedingt bestaetigen, da ich bis zu unserer Abreise nach Sucre mit Kopfschmerzen und Herzrasen zu tun hatte, was aber nicht so schlimm war, weil es allen so ging. Ruhe und Gelassenheit war angesagt. Ein guter Einstieg in die bolivianische Mentalitaet.
Zeit
Eigentlich war es uns ja allen schon vorher klar. Aber als wir im Orientierungscamp noch einmal auf die Unterschiede im Umgang mit Zeit hingewiesen wurden, regte sich doch bei dem einen oder anderen ein kleiner Zweifel, ob das mit den Verabredungen hier wohl klappen wuerde. Der Umgang mit Zeit in Bolivien ist fuer meinen Geschmack einigermassen verzwickt. Uns wurde erklaert, dass es zwei verschiedene Arten von Zeitangaben gibt:
Die einen beziehen sich auf die Arbeitswelt und Behoerden und sind mit den Zeitangaben in Europa vergleichbar. Hat man also einen Termin um 15.00 Uhr kommt man gegen 15.00 Uhr. Meiner Erfahrung nach aber auch gerne mal fuenf bis fuenfzehn Minuten spaeter.
Die anderen Zeitangaben beziehen sich auf den privaten Bereich und unterscheiden sich erheblich von den Zeitangaben in Europa, im Durchschnitt so um drei Stunden.
Beginnt ein Fest also um 20.00 Uhr laut Einladung, kommt kein Bolivianer vor 23.00 Uhr. So die Erklaerung.
In Wahrheit ist die Sache noch komplizierter. Bisher bin ich meistns zu frueh da, was allerdings nicht immer wirklich gut ankommt. Ich hoffe, dass ich mich noch ein wenig besser anpassen werde.
Ergaenzung:
Je laenger ich hier bin, desto klarer wird mir, dass ich nicht die einzige bin, die mit der hora boliviana so ihre Schwierigkeiten hat. Dazu nur zwei Beispiele:
1. Ende Oktober hat die A.S.E. ihr 21jaehriges Bestehen gefeiert. Auf der Einladung zum Festakt in einem Saal in der Stadtmitte stand, dass das Programm um 18.00 Uhr beginnen wuerde. Ich habe mich etwas gewundert, als wir um 18.00 Uhr immer noch im Buero waren und letzte Vorbereitungen getroffen haben. Noch interessanter wurde es, ale wir eine halbe Stunde spaeter am Festsaal eintrafen und dort schon einige Bolivianer warteten, die bereits ueberlegt hatten, ob sie am falschen Ort waeren.
Langsam fuellte sich der Saal und als wir um 19.00 Uhr endlich anfangen wollten - einige Gaeste wurden schon unruhig - war die Vorsitzende der A.S.E., die die Veranstaltung einleiten sollte, noch nicht da. Mir war das sehr unangenehm und ich hatte das Gefuehl, das es meinen Kollegen aus dem Buero da genauso ging.
2. Gestern waren wir auf einer Geburtstagsfeier eines alten Schulfreunds von Oscar eingeladen. Oscar wunderte sich etwas, dass auf der Einladung stand, dass die Feier um 18.00 Uhr beginnen sollte, schloss aber daraus, dass die Gastgeber frueh beginnen wollten. Normalerweise beginnen Geburtstagsfeiern hier wohl offiziell um 19.00 Uhr und tatsaechlich gegen 21.00 Uhr. Da die Einladung auf 18.00 lautete, waren wir gegen 8 vor Ort und damit die ersten. Gegen 23.00 Uhr waren die meisten Gaeste schliesslich eingetroffen und um Mitternacht gab es endlich etwas zu essen. Bis dahin wurde schon viel getanzt und getrunken. Die Wiskeyflaschen leerten sich in einem erstaunlichen Tempo.
Bei unserer Ankunft in LaPaz war es gerade 6 Uhr morgens und die Sonne erhob sich ueber die schneebedeckten Berggipfel. Auf der Fahrt vom Flughafen in ElAlto in die Innenstadt von LaPaz mit ihren Hochhaeusern eroeffnete sich uns ein atemberaubender Blick auf die erwachende Stadt. Die Sonne spiegelte sich in den unzaehligen Fenterscheiben der Haeuser und tauchte die Szene in ein warmes Rot. Ganz im Gegensatz zu der Luft, die empfindlich kalt war an diesem Wintermorgen. Die Stadt gibt sich sehr geschaeftig, viele Menschen, Taxis und Busse tummeln sich auf den Strassen und draengen sich durch die Gassen.
Hoehenkrankheit
Am ersten Tag in LaPaz hielt ich mich an alle Empfehlungen die Hoehe bertreffend, die da lauten: kein fettes oder ueppiges Essen, keine koerperlichen Anstrengungen, viel Ruhe und viel trinken. Und dennoch machte sich die Hoehe unangenehm bemerkbar. Zuerst hatte ich nur Kopfschmerzen, spaeter bei einem bedaechtigen Entdeckungsbummel durch die Gassen kam dann ein unangenehmes Herzrasen dazu, was mich auch an allen folgenden Tagen in LaPaz begleitete, sobald wir bergauf gingen, was in LaPaz doch sehr haeufig vorkommt. Angeblich hilft vor allem Kokatee gegen die Symptome der Hoehenkrankheit. Das kann ich nur bedingt bestaetigen, da ich bis zu unserer Abreise nach Sucre mit Kopfschmerzen und Herzrasen zu tun hatte, was aber nicht so schlimm war, weil es allen so ging. Ruhe und Gelassenheit war angesagt. Ein guter Einstieg in die bolivianische Mentalitaet.
Zeit
Eigentlich war es uns ja allen schon vorher klar. Aber als wir im Orientierungscamp noch einmal auf die Unterschiede im Umgang mit Zeit hingewiesen wurden, regte sich doch bei dem einen oder anderen ein kleiner Zweifel, ob das mit den Verabredungen hier wohl klappen wuerde. Der Umgang mit Zeit in Bolivien ist fuer meinen Geschmack einigermassen verzwickt. Uns wurde erklaert, dass es zwei verschiedene Arten von Zeitangaben gibt:
Die einen beziehen sich auf die Arbeitswelt und Behoerden und sind mit den Zeitangaben in Europa vergleichbar. Hat man also einen Termin um 15.00 Uhr kommt man gegen 15.00 Uhr. Meiner Erfahrung nach aber auch gerne mal fuenf bis fuenfzehn Minuten spaeter.
Die anderen Zeitangaben beziehen sich auf den privaten Bereich und unterscheiden sich erheblich von den Zeitangaben in Europa, im Durchschnitt so um drei Stunden.
Beginnt ein Fest also um 20.00 Uhr laut Einladung, kommt kein Bolivianer vor 23.00 Uhr. So die Erklaerung.
In Wahrheit ist die Sache noch komplizierter. Bisher bin ich meistns zu frueh da, was allerdings nicht immer wirklich gut ankommt. Ich hoffe, dass ich mich noch ein wenig besser anpassen werde.
Ergaenzung:
Je laenger ich hier bin, desto klarer wird mir, dass ich nicht die einzige bin, die mit der hora boliviana so ihre Schwierigkeiten hat. Dazu nur zwei Beispiele:
1. Ende Oktober hat die A.S.E. ihr 21jaehriges Bestehen gefeiert. Auf der Einladung zum Festakt in einem Saal in der Stadtmitte stand, dass das Programm um 18.00 Uhr beginnen wuerde. Ich habe mich etwas gewundert, als wir um 18.00 Uhr immer noch im Buero waren und letzte Vorbereitungen getroffen haben. Noch interessanter wurde es, ale wir eine halbe Stunde spaeter am Festsaal eintrafen und dort schon einige Bolivianer warteten, die bereits ueberlegt hatten, ob sie am falschen Ort waeren.
Langsam fuellte sich der Saal und als wir um 19.00 Uhr endlich anfangen wollten - einige Gaeste wurden schon unruhig - war die Vorsitzende der A.S.E., die die Veranstaltung einleiten sollte, noch nicht da. Mir war das sehr unangenehm und ich hatte das Gefuehl, das es meinen Kollegen aus dem Buero da genauso ging.
2. Gestern waren wir auf einer Geburtstagsfeier eines alten Schulfreunds von Oscar eingeladen. Oscar wunderte sich etwas, dass auf der Einladung stand, dass die Feier um 18.00 Uhr beginnen sollte, schloss aber daraus, dass die Gastgeber frueh beginnen wollten. Normalerweise beginnen Geburtstagsfeiern hier wohl offiziell um 19.00 Uhr und tatsaechlich gegen 21.00 Uhr. Da die Einladung auf 18.00 lautete, waren wir gegen 8 vor Ort und damit die ersten. Gegen 23.00 Uhr waren die meisten Gaeste schliesslich eingetroffen und um Mitternacht gab es endlich etwas zu essen. Bis dahin wurde schon viel getanzt und getrunken. Die Wiskeyflaschen leerten sich in einem erstaunlichen Tempo.
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